Zum Nachdenken: Food Waste

In der Gastronomie ist es manchmal nicht einfach: Da ist einerseits die Erwartung der Kunden, zu jeder Uhrzeit das volle Sortiment zu erhalten. Nicht nur bei Martha’s Salad. Und selbstverständlich ist gleichzeitig unser Anspruch, den Kunden auch kurz vor Ladenschluss eine grosse Auswahl bieten zu können. Aber ja, da sind die Reste, die dann eben nicht von der Theke gehen und abends im Müll landen.

Ich stecke manchmal in einem Dilemma. Ich versuche das Thema Food Waste, ist ein Produkt einmal ausverkauft, unseren Kunden stets zu erklären. Nicht immer wird mir Verständnis entgegengebracht. Zum Beispiel heute. Einige Salate waren bereits um 13 Uhr ausverkauft. Und das wegen mir. Ich habe meinem Team diese Woche gesagt: Bestellt bei unserer Köchin in der  Produktionsküche nicht zu viele Salate. Ich will nichts im Müll sehen am Freitagabend. Und es ist in Ordnung, wenn der eine oder andere Salat ausgeht irgendwann. Dann war ich selber im Laden heute. Von zehn Salatsorten waren um 13 Uhr drei Sorten ausverkauft. Viele hatten Verständnis. Viele waren flexibel. Einigen habe ich ein anderes Produkt günstiger angeboten, Kuchen geschenkt oder mich um Alternativen bemüht. Aber es gab auch Leute, die mir kaum zugehört haben, die kopfschüttelnd aus dem Geschäft gelaufen sind. Das tut mir leid. Ich würde mich vielleicht auch ärgern. Aber es ist manchmal schwierig, immer die perfekte Menge zu produzieren.

Food Waste finden dann aber trotzdem alle unschön. Oder zumindest tun sie so.

Übrigens haben wir in unseren Stores seit letzter Woche einen Food Waste-Corner. Wenn wir zu viel produziert haben, bieten wir das Essen zum halben Preis an. Die Reaktionen darauf sind alle positiv. Das freut uns.

Ich setze mich intensiv mit nachhaltigen Themen auseinander und möchte ein paar Zeilen zum Nachdenken aufschreiben.

Was bedeutet eigentlich Food Waste? Grundsätzlich haben wir mehr Essen zur Verfügung als wir wirklich essen können. Aufgeteilt in: Food Losses und Food Waste. Losses, also Verluste, sind Lebensmittel, die in Produktionsprozessen verloren gehen und gar nie zu den Konsumenten gelangen.

Verschwendung, also Waste, sind Produkte, die wir zu viel einkaufen oder die auf zu grossen Portionen in der Gastronomie liegen bleiben.

In der Schweiz gehen ein Drittel aller Lebensmittel im Jahr verloren. Dies enstpricht Ladungen von 150’000 Lastwagen. Again: 150’000 Lastwagen! Im privaten Haushalt verschwendet der Schweizer im Durchschnitt 300 Gramm pro Tag. Private Haushalte bilden mit 45 Prozent übrigens die grösste Food Waste-Sparte.

Ich frage mich immer wieder, warum wir so viele Lebensmittel wegwerfen. Und habe dazu einen interessanten Vergleich: Der Schweizer gibt durchschnittlich 7 Prozent seines Einkommens für Lebensmittel aus. Ein Kameruner gibt 45 Prozent seines Einkommens für Lebensmittel aus. Der Food Waste-Anteil in der Schweiz liegt bei 45 Prozent, in Kamerun liegt er bei 5 Prozent. In einem Satz: wir können uns den Food Waste eben einfach leisten.

Die Folgen von Food Waste sind dramatisch: wir nutzen massiv zu viel Land, um Lebensmittel produzieren zu können, die wiederum verloren gehen. Und die Produktion von Lebensmittel, die verloren gehen, verursacht die gleiche Menge an CO2-Emissionen wie fast 40 Prozent aller Autos in der Schweiz.

Es gibt doch so viele Menschen, die auch Gemüse kaufen würden, welches optisch nicht wie ein Superstar daherkommt. Ich verstehe nicht, warum solche Produkte nicht mehr angeboten werden. So oder so, wir können alle etwas tun und aufmerksamer agieren. Nämlich:

  • Einkaufsliste erstellen und nur das kaufen, was wir wirklich brauchen. Auch beim Kochen zuerst überlegen.
  • Nie mit knurrendem Magen einkaufen gehen
  • Aktionen nur kaufen, wenn wir sie auch wirklich konsumieren
  • Saisonal und lokal einkaufen (das ist sowieso Ehrensache)
  • Viele Lebensmittel können eingefroren werden – zum Beispiel in Form von Suppe
  • Aus Kräutern, Rüstabfällen etc. machen wir bei Martha’s Salad Bouillon – sie ist natürlich und schmeckt wunderbar!
  • Es ist nicht einfach, als Individuum etwas gegen den Welthunger zu tun. Die Themen sind komplex. Aber nur schon daran denken, dass fast eine Milliarde Menschen nicht genügend Nahrung hat, hilft bei unserem verschwenderischen Verhalten doch sehr.

UND ZULETZT: VERSTÄNDNIS AUFBRINGEN. FLEXIBEL SEIN. NICHT IMMER ÜBERALL AUSRUFEN. NICHT NUR BEIM AUSVERKAUFTEN PRODUKT. AUCH IM ALLTAG. SICH VOR AUGEN HALTEN, WAS WIR EIGENTLICH ALLES HABEN. WEIL ES UNS – GRUNDSÄTZLICH- ALLEN GUT GEHT. ZU GUT MANCHMAL.

Happy Weekend, Séverine

o-matic

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