Warum saisonal und regional kein Trend sondern Pflicht sein sollte

Es gibt Trends, die nerven. Auch im Food-Bereich. Sie sind manchmal total unsinnig, widersprüchlich und oft auch gar nicht gesund. Ich muss ehrlich sein: Als Genuss-Mensch mit Hang zur Masslosigkeit fällt mir der allgemeine Verzicht nicht gerade leicht. Ich esse wirklich sehr gerne. Und: sogenannte Food-Trends mache ich aus Prinzip nicht mit. Die Instagram-Girls posten in diesen Zeiten fleissig ihre Chia-Puddings, Quinoa-Salate und Goji-Beeren – gefolgt von vielen Hashtags rund um das glückliche Leben eines First-World-Girls.

Warum hemische Goji-Beeren kaum zum Verkauf angeboten werden? Der Konsument verbindet wohl mit der importierten Beere aus China mehr Exklusivität und eine magischere Wirkung. Die Goji-Beere ist übrigens eine Frucht wie jede andere, vergleicht man den Vitamin C-Gehalt mit einheimischen Beeren oder Früchten. Aber: dass sich der Mensch mehr und mehr mit seiner Ernährung beschäftigt, ist eine gute Sache. Nur manchmal würde es helfen, sich auch mehr mit der ganzen Thematik und auch den Herausforderungen auseinanderzusetzen.

Ein Beispiel: Quinoa-Bauern werden nicht nur ausgebeutet, seit die Industrieländer das Korn der Inkas für sich entdeckt haben, nein, sie können sich Quinoa für den Eigenbedarf nicht mehr leisten. In Peru kostet ein Kilogramm Quinoa mittlerweile doppelt so viel wie ein Kilogramm Hühnchen und viermal so viel wie die gleiche Menge Reis. Dieser wird gemeinsam mit Mais zur Alternativ-Nahrung, leider aber ohne die wertvollen Inhaltsstoffe. Die Folge sind Krankheiten und Mangelernährung.

Eine Strömung oder nennen wir es eben Trend unterstütze ich jedoch sehr. Der Trend liegt mir nicht nur am Herzen, sondern ich erachte es als Pflicht, sich damit auseinanderzusetzen: es sind regionale Produkte.

Was mich aber immer wieder verwundert: wie viele Food-Unternehmen sich mit Nachhaltigkeit brüsten, in ihrem Essen aber zahlreiche exotische Zutaten anbieten. Eine Mango hat im Winter-Salat nichts verloren. Und weil die Meere bald leergefischt sind, muss auch nicht immer Thunfisch im Salat sein. Meinen Kindern mal erklären zu müssen, dass es zu meiner Zeit noch Fische im Meer gab – was für eine erbärmliche Vorstellung. Grosse Warenhäuser oder Märkte werben mit nachhaltigen Produkten, bieten dem Kunden aber Plastik-Säcke an. Aber das ist wieder ein anderes Thema.

Hier einige Beispiele, warum Regionalität kein Trend sondern eben Pflicht werden sollte:

  • Wer saisonale Freiland-Produkte kauft, hilft Schadstoffemissionen zu vermeiden und fossile Energie, welche das Gewächshaus produziert, zu sparen. Ein Kopfsalat verursacht bei Freiland-Anbau 140 Gramm CO2, im Gewächshaus mehr als die 30-fache Menge.
  • Das Flugzeug ist das Transportmittel mit den meisten freigesetzten Emissionen. Leicht verderbliche Lebensmittel wie Spargeln oder Erdbeeren werden damit transportiert. Diese sollten also im Winter nicht eingekauft werden. Ein Bund Spargel aus Mexiko hat nach seiner Reise fünf Liter Erdöl verbraucht!
  • Regionale Produkte bedeuten überschaubare Strukturen im Transport. Durch die kurzen Transportwege kann das Gemüse natürlich reifen, was sich nicht nur im Geschmack und Aroma auswirkt sondern auch bei den Mineralstoffen und Vitaminen.
  • Wer regional einkauft, unterstützt die bäuerliche Landwirtschaft, die regionale Wirtschaft und den Erhalt von Arbeitsplätzen.
  • Auf die Saisontabelle achten: Im Winter kühlgelagerte Äpfel weisen ebenfalls einen hohen CO2-Verbrauch auf. Deshalb immer prüfen, ob die Frucht oder Sorte wirklich Saison hat. Beispiel: Ein Apfel, der aus Neuseeland importiert wird, schneidet in einem solchen Fall besser als der kühlgelagerte, heimische Apfel ab. Das lokale Kühlhaus verbraucht mehr Energie.
  • Und noch zuletzt ein persönlicher Ratschlag: ab und zu ganz bewusst auf Fleisch verzichten. Rodung, energieintensive Futtermittelproduktion und hohe Mengen an Verdauungsgasen schaden der Umwelt.

by Séverine Götz

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