Aus aktuellem Anlass: Warum wir bei Martha’s Salad keine Avocado anbieten und warum das der richtige Weg ist

«Mach doch mal einen Salat mit Avocado, das haben jetzt alle, ist mega in imfall.» Es ist eine der Fragen, die ich immer und immer wieder höre. Nein, wir werden sie nie anbieten. Denn: Als Sabrina und ich unsere Firma gegründet haben, da war einerseits dieser grosse Traum vom Unternehmertum. Sein eigener Chef sein. Etwas aufbauen. Und da wir keine Ahnung von der Gastronomie hatten: einfach mal ins kalte Wasser springen.

Da gab es aber auch noch unsere Philosophie: Regionale und saisonale Produkte verarbeiten und damit nachhaltig agieren. Ich habe schon vor einem Jahr einen Beitrag über Produkte geschrieben, die wir aus diversen Gründen bei Martha’s Salad nicht im Sortiment haben. Darin klagte ich über Food-Trends, die ökologisch keinen Sinn machen. Aber auch über den Quinoa-Konsum und das egoistische Verhalten unserer Gesellschaft auf Kosten der Bauern in Peru. Weil ein paar First World-Queens ihre Instagram-Accounts mit all diesen Fancy Products füllen, boomt das Geschäft. Oft fehlen wissenschaftliche Studien. Egal – die Tüten prall gefüllt mit all den Mangos, Beeren und Avocados und schon scheint der Traum von ewiger Schönheit und Gesundheit ganz nah.

Die Probleme scheinen manchmal so weit weg, dass sie uns eben nicht wirklich tangieren.

Ich bin froh, ist wenigstens die Problematik rund um die Avocado durch einen spannenden Artikel in der Zeit aufgegriffen und von vielen anderen Medien übernommen worden. Die Avocado ist sicherlich eine gesunde Frucht und ja, sie schmeckt köstlich. Ich liebe sie. Und ich esse sie ab und zu, kaufe sie aber im Reformhaus, achte auf Fair Trade und Bio. Das könnte sich aber kein Gastro-Betrieb leisten. Und darum bieten wir sie erst gar nicht an, denn die Folgen für die Umwelt sind gravierend.

Das Avocado-Geschäft ist ziemlich lukrativ geworden. Daraus entstehen vermehrt illegale Plantagen und dafür muss der Regenwald abgeholzt werden. Wenn sich Food-Anbieter mit kompostierbaren Verpackungen schmücken, deren Papier aus zertifizierter Rodung stammt, ist das legitim. Wenn darin jedoch eine Avocado liegt, dann ist das unglücklich.

Besonders in Mexiko, berichten lokale Umweltschützer, werden die Probleme immer grösser. Der hohe Wasserbedarf und der verstärkte Einsatz von Pflanzenschutzmitteln haben enorme negative Folgen für die Bevölkerung. Es kommt sogar zu Missbildungen bei Ungeborenen. Auch die mexikanische Mafia hat das Geschäft erkannt und spielt mittlerweile eine wesentliche Rolle im Handel – wobei dieses Argument für mich nicht zählt. Die Mafia spielt im guten Geschäft immer mit. Was man auch immer unter Mafia versteht.

Was mich eher beschäftigt, ist der Transport. Avocados sind meistens Flugware und weisen damit eine schlechte Ökobilanz auf. Vor allem wenn man bedenkt, wie viele Früchte gleich wieder im Müll landen. Avocados haben nämlich eine sehr kurze Reifezeit. Fast täglich sehe ich abends im Grossverteiler ganze Kisten mit faulen Avocados gefüllt. Das ist einfach die falsche Richtung, in die wir uns bewegen!

Für viele Food-Trends-Menschen mag das aktuelle Angebot von Martha’s Salad nicht immer attraktiv wirken. Wir hören oft die Frage: Habt ihr keine Avocados? Habt ihr kein Thunfisch? Nein, aber wir haben Randen, Kartoffeln, Wirz, Kabis, Fenchel, Birne, Pfälzer, Apfel, Blumenkohl, Brokkkoli oder Karotten im Menü. Und wir versuchen stets, das Beste aus diesen Produkten rauszuholen. Wir garen, dämpfen, dünsten und rösten. Wir haben seit dieser Woche einen Kartoffel-Salat mit Wirz und Kabis zur Auswahl. Oder hausgemachtes Rotkraut. Oder einen Fenchel-Apfel-Birnen-Salat. Warum?

Weil wir daran glauben, dass es für alle der bessere Weg ist, lokale Produkte zu beziehen. Wer nachhaltig agieren möchte, bietet regionale Produkte an.

#SUPPORT YOUR LOCAL FARMER

By Séverine Götz, Gründerin Martha’s Salad

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